Motorrad Sitzbank selber bauen

Lesedauer 6 Minuten

Lange ist es her seit dem letzten Beitrag und endlich bin ich beim Umbau der Honda VT 500 C weiter. Ich habe mit der Sitzbank angefangen und werde nun Stück für Stück die Honda umbauen. Es war das erste Mal dass ich eine Motorrad Sitzbank von Grund auf selbst gemacht habe und nach dieser Erfahrung kann ich es nur jedem empfehlen.

Sitzbank Material

Für die Bestellung des Materials musste ich zuerst einmal die Masse nehmen.

Die ungefähren Masse

Das Material für die Sitzbank habe ich auf Kickstarter.de bestellt, hier gibt es Startersets mit welchen es ein leichtes ist sich seine eigene Custom Sitzbank zu machen. Den Bezug werde ich dann aber von einem Sattler machen lassen. Für meine Honda habe ich folgendes bestellt:

  • Eine Thermoplast Sitzbankgrundplatte 700x300x10mm | 16.76 EUR
  • Sitzbank Schaumstoff und Kaschierschaum 900mm | 5.37 EUR
  • Sitzbank Schaumstoff für extra Komfort 330x660x20mm | 21.68 EUR
  • Gelkissen 100mm | 18.49 EUR
  • Kunstleder | 121.00 CHF

Thermoplast Sitzbankgrundplatte

Das Material für die neue Sitzbank wurde super schnell geliefert von Kickstartershop.de, habe die Ware in der gleichen Woche noch erhalten. Bevor es losging habe ich die alte Sitzbank rausgenommen, das Schutzblech weggeschraubt und die Blinker entfernt. Danach habe ich die Thermoplast Grundplatte mal draufgelegt und angefangen diese mit dem Heissluftföhn zu erwärmen und in die gegebene Form zu bringen.

Sobald die Platte von beiden Seiten erwärmt ist lässt Sie sich einfach in Form bringen
Und dann die zweite Kurve

Sobald die Platte erwärmt ist lässt sie sich auch einfach formen. Beim erwärmen mit dem Heissföhn vorsichtig sein und nicht zu nah an die Platte bzw. nicht zu lange auf der gleichen Stelle bleiben ansonsten wird es eine braune Farbe annehmen 🙂 Im Anschluss mit einem Gewicht beschweren damit es in der gewünschten Form abkühlen kann.

Nachdem die Platte in die gewünschte Form gebracht wurde habe ich mit dem Dremel die Platte nochmals bearbeitet so dass diese vorne beim Tank der Form entsprechend passt.

Befestigung der Platte

Am liebsten hätte ich für die Befestigung der Sitzbank Platte zwei neue Halterungen angeschweisst aber da es in der Schweiz nicht erlaubt ist ohne ein DTC Gutachten irgendetwas am Rahmen zu ändern musste ich mich wohl oder übel mit vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten zufrieden geben. Letztendlich habe ich zwei vorhandene Löcher genutzt um die Platte zu befestigen.

Befestigung der Grundplatte

Schaumstoff

Da der Schaumstoff sehr dick war und die der Verlauf der Sitzbank sehr kurvig hatte ich meine Mühe diese sauber zu leimen. Im Bauhaus habe ich einen Patex Sprühleim gekauft der sich gut für Schaumstoff eignet. Die Platte habe ich vor dem Leimen mit Bremsenreiniger gut gereinigt und dann den Leim auf der Platte als auch auf dem Schaumstoff aufgesprüht.

Dann einmal mit dem ganzen Körpergewicht einige Minuten an die Platte gedrückt. Leider hat dass nicht auf anhieb geklappt da der Schaumstoff so dick ist, dass er an der kurvigen Stelle zu viel Druck hat und nicht kleben bleibt. Um den Druck zu entlasten habe ich den Schaumstoff grob mit dem elektrischen Brotschneidemesser bearbeitet. Danach musste ich mit Schraubzwingen und zusätzlichem Gewicht nachhelfen. 24 Stunden später hat es aber super gehalten und ich konnte mich an die Bearbeitung der Form machen.

Schraubzwingen und zusätzliches Gewicht

Schaumstoff in Form bringen

Die Form habe ich mir so vorgestellt dass es möglichst eine gerade Linie gibt, was bei diesem vorgegebenen Kurvenverlauf fast nicht möglich ist aber dennoch ist es mein Ziel dies so weit als möglich zu minimieren.

Zunächst habe ich mit dem elektrischen Brotmesser angefangen den überstehenden Schaumstoff an der Seite zu entfernen. Zugegeben mit dem Elektrobrotmesser geht dass wie Butter aber das Ding ist nicht gemacht für einen längeren Einsatz. Nach ca. 5-10 Minuten ist die Maschine bereits aufgeheizt und riecht als ob es bruzelt. Also habe ich wohl oder übel alle 5-10 Minuten eine Pause eingelegt um es abkühlen zu lassen.

Grobe Form erreicht

Danach habe ich mit der Bandschleifmaschine weitergemacht mit der man sehr gute Ziele erreicht. Jedoch habe ich gemerkt dass ich mit den Schleifen von Hand eine bessere Kontrolle habe und sehe wo ich gerade was wegschleife. Die Schaumstoff Oberfläche ist jedoch einiges rauer als mit der Bandschleifmaschine. Deshalb werde ich zuletzt nochmals mit der Bandschleifmaschine den Finish machen.

Zwischenstand

Nach langem schleifen mit der Bandschleifmaschine konnte ich nun endlich die gewünschte Form erreichen. Damit es so richtig gemütlich wird habe ich vorne noch genügend Platz gemacht für das Gel Pad Kissen.

Gel Kissen

Damit es ein bisschen angenehmer wird habe ich mich entschlossen ein Gel Kissen einzubauen. Dafür habe ich ausgemessen und eingezeichnet wo genau ich das Kissen platzieren möchte. Danach habe ich ein in das grosse Rechteck ein Raster gezeichnet um mit dem Teppichmesser Schnitte entlang des Rasters zu machen. Dies vereinfacht es Stück für Stück jedes kleine Rechteck im Raster auszuschneiden und die gleiche Tiefe beizubehalten.

Zweite Schicht Schaumstoff

Zuletzt kommt nun die zweite Schicht Schaumstoff über die erste und das Gel Kissen. Diese war viel weicher und nicht so leicht mit dem Brotmesser zu bearbeiten aber ich habe es dennoch geschafft die grobe Form mit dem Brotmesser auszuschneiden. Danach mit einem sehr scharfen Teppichmesser noch genauer in Form geschnitten und zum Schluss mit Schleifpapier nahtlos an die erste Schicht geformt.

Kunstleder auf die Sitzbank beziehen

Kunstleder ausschneiden

Und nun zum letzten und meines Erachtens schwierigsten Schrittes, das Beziehen der Sitzbank mit dem Kunstleder. Zuerst wollte ich ein Muster nähen und die Sitz- und Seitenflächen zusammennähen aber andererseits wollte ich für das erste mal nicht einen zu hohen Aufwand betreiben. Nach langer Suche auf YouTube wie dies am besten umgesetzt wird habe ich es gewagt und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Klar werde ich nicht an die Qualität eines Sattlers herankommen aber Übung macht den Meister und auch wenn es mich mehr Zeit kostet und mehr Versuche, ich bin mir sichere dass ich dies irgendwann besser hinbekommen werde.

Wie ihr sieht habe ich das Kunstleder einfach über die Sitzbank gezogen und an die Grundplatte getackert. Um dies zu erreichen habe ich die Ränder der Grundplatte mit Kontaktkleber aufgetragen als auch die zu verleimenden Stellen auf dem Kunstleder. Dann den Bezug von vorne nach hinten gut gespannt, angeklebt und getackert. Als nächstes habe ich bei der Wölbung des Sitzes das Leder so fest wie möglich auseinander gezogen so dass es am Schaumstoff gut anliegt. Es empfiehlt sich das Leder mit einem Haarföhn zu erwärmen damit es sich besser ziehen lässt. Die einzelnen Schritte und das Endergebnis sieht ihr hier 🙂

5 Gedanken zu „Motorrad Sitzbank selber bauen“

    1. Danke dir, hab mir Mühe gegeben. Muss aber sagen dass ich mit der Befestigung welche ich in die Thermogrundplatte gedrückt habe nicht ganz zufrieden bin. Es gibt hier grössere Versionen mit grösseren Spitzen für die Befestigung, denke das wäre besser gewesen. Diejenigen die ich nun drin habe drehen sich beim Einschrauben einer Schraube wenn man nicht von oben Druck gibt. Einfach so als Tipp 😀

  1. Ich habe immer echtes Leder genommen. Sogenanntes Schweizer Leder. Das hat ein sympathisches Popo Gefühl. Im Sommer und Winter . Eine VT 500c war auch mein bestes Motorrad welches Benzin nötig hatte. Heute würde ich eine Defekte Sitzbank an einem Verbrennungsmotor darunter als wirtschaftlichen Totalschaden betrachten. Fahre seit 11 Jahren elektrisch mit der gleichen es Leistung wie die Honda. Jetzt nach 150tkm und ca. 100€ Stromkosten wird es Zeit für eine neue Sitzbank.

    1. 150.000 km mit 100€ Stromkosten – rechne mir das mal bitte vor! Ich halte das für eine Lüge. Oder sind da ein paar Nullen am falschen Platz?

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